beatrice schumacher
historikerin

crossing borders.

Contact Improvisation in der Schweiz. 1980 bis heute.





  • dancescape grimsel 2003
  • grimsel projekt
  • grimsel projek 2004
  • grimsel projekt
  • grimsel projekt 2004

> videostills: dancescape.Grimsel. Tinu Hettich, Ivo Knill, Katharina Wüthrich, 2003





 

 

Thema

1972 zeigen rund ein Dutzend junge Tänzerinnen und Tänzer eine Experiment. Eine Woche lang treffen in einer New Yorker Galerie Körper auf Körper, springen, fallen, rollen, fangen und heben sich gegenseitig, - blitzschnell.

Das Experiment heisst „Contact Improvisations“. Es strahlt rasch über die Tanzavantgarde hinaus und wird zu einem losen sozialen Netzwerk. Die Gründer:innen rund um den us-amerikanischen Choreografen Steve Paxton (1939-2024) verzichten auf ein Label.

Contact Improvisation wird heute weltweit getanzt. In der Schweiz finden sich die ersten Spuren Ende der 1970er Jahre. 

Contact Improvisation gründet wesentlich auf ganzkörperliche Kommunikation durch Berührung und durch gegenseitiges Geben und Nehmen von Gewicht. Sie eröffnet Spielräume der Körperlichkeit jenseits gesellschaftlicher Konventionen und neue herausfordernde Erfahrungsräume. Sie stellt Tanzende vor   fundamentale Fragen, etwa nach der Bedeutung von Intimität oder Kontrolle wie auch nach der Beziehung zu sich selbst, zu Andern und zur Welt. 

Contact Improvisation ist als forschende Bewegungspraxis entstanden. Das verbindet sie noch heute mit ihrem Ursprung in der Kunst, obwohl sie längst in Settings stattfindet, die nicht als Kunst gerahmt sind. Rahmungen für eine Praxis zu schaffen, die in körperlicher, gesellschaftlicher und persönlicher Hinsicht Grenzen berührt und infrage stellt, ist daher eine zentrale und anspruchsvolle Herausforderung in der Contact Improvisations-Szene


Buchprojekt

crossing borders erkundet die Welt der Contact Improvisation in der Schweiz von den späten 1970er Jahren bis in die Gegenwart. Es fragte, wie, wo und von wem die Praxis in der Schweiz aufgenommen wurde, wie Unterricht, Jams und Szenen sich entwickelten, welche Milieus affin waren, und nicht zuletzt wie die Schweiz  international vernetzt war. Ausserdem blickt es in die Anfänge in den USA und zeigt, wie Contact Improvisation im Kontext des Postmodern Dance, wesentlich geformt aus den künstlerischen Intentionen von Steve Paxton entstanden ist. 

Das Projekt entsteht im Dialog mit Tanzenden. Es beschreibt und reflektiert die CI-Welt im Prisma vielfältiger Erfahrungen als persönliche Praxis, als lokale und überlokale Szenen, als soziale Netzwerke, die nationale Grenzen überschreiten. 

Ich habe die Welt der Contact Improvisation zuerst als Tänzerin kennengelernt. Seit 2017 praktiziere ich regelmässig und bin in lokalen und überregionale Netzwerke eingebunden. Die eigene Erfahrung und ein im Körper verankertes Wissen erleichtern und erschweren mir zugleich den Zugang zur Thematik. Es war und ist eine hindernisreiche Aufgabe, zu einer angemessenen Aussensicht zu finden und die Welt der Contact Improvisation als Historikerin aus einer erweiterten gesellschaftlichen Sicht sowie auf tanzhistorischen Hintergrund zu betrachten und befragen. 

crossing borders betritt weitgehend Neuland. Mit Ausnahme einer bereits 1990 publizierten  kulturanthropologischen Studie zu den Anfängen in den USA gibt es bisher so gut wie keine kultur- und sozialhistorische Studien zur Praxis von Contact Improvisation. 

In einer Zeit, in der der sinnliche Bezug zum eigenen Körper und zu dem anderer sowie zur Umwelt durch Künstlichkeit und Technologie sowie gesellschaftliche Ängste zunehmend bedrängt und delegitimiert wird, eröffnet das Buch einen Einblick in ein Praxisfeld, über das zu reflektieren sich auch dann lohnen kann, wenn man mit dieser Welt bislang nicht in Berührung stand. 

Die Recherchen zu diesem Projekt haben 2021 begonnen.
Die Ergebnisse werden in Buchform veröffentlicht.
Gespräche und historische Dokumente werden langfristig archiviert. Das Projekt leistet damit einen Beitrag zur Spurensicherung einer flüchtigen und bislang wenig dokumentierten Szene.

 

 

 

 Fall after Newton provides a glance in the early days when  Contact Improvisation was first of all a research, with the commentary voice of Steve Paxton (1939–2024), the leading figure among the founder generation.














Zürich 1980: The San Francisco men's performance collective shows and teaches Contact Improvisation in a week-long workshop


Zürich 1981: Flyer of the «Offene Gruüüe / open class Kontaktimprovisation» 





Zürich 1982: Robin Feld, New York and Bob Rease, San Francisco, perform and teach in Rote Fabrik

Documents: Courtesy Walter Weiler

Further watching

Selected insight in history, teaching. performing and jamming  Contact Improvisation 


The poetics of touch, 2007, a documentary featuring legendary dancer and teacher Nancy Stark Smith (1952–2020)






Emergence de la Danse Contact Improvisation in France is one of the rare documentations of a local community, the Atelier Contact in Paris in the years 1978–1985, remembered by its former members.







Contactfestival Freiburg, a documentary of the 2018 issue, offering glimpses in one of the today most renown festivals with international teachers, celebrating dance as well as community life

Gogolfest 2016 - a Contact Improvisation performance on stage full of relish, skill and joke.

Art of Jamming 2021 gives an idea about what the most popular way to practice can look like (this one happened not in Switzerland)


Further reading


Cynthia J. Novack, Sharing the Dance. Contact Improvisation and American Culture, Univ. of Wisconsin Press, 1990

Steve Paxton: Drafting interior Techniques, ed. by Roman Bigé, Lisboa, Culturgest, 2019
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